Drzonków. Das Netzwerk mit seinen Partnern als Brücke zu Europa – das war die Quintessenz einer zweitägigen Arbeitstagung des Europäischen Netzwerkes der Akademien des Sports im polnischen Drzonków, einem Stadtteil von Zielona Góra (140.000 Einwohner), nördlich von Niederschlesien und gut 100 Kilometer östlich von Cottbus gelegen. Gastgeber war das Sportzentrum WOSiR Drzonków, geführt von Direktor Bogusław Sułkowski.

drzonkow-logoManfred Wothe, Geschäftsführer der Europäischen Sportakademie Land Brandenburg, unterstrich zu Beginn vor sportpolitischen Gästen aus der Region: „Wir haben seit Langem Kontakte zu Polen und zur Region und fühlen uns als Brücke zu Europa. Wir möchten die enge Zusammenarbeit fortsetzen, dazu verpflichten uns schon die 243 Kilometer gemeinsame Grenze zwischen Brandenburg und Polen. Unsere Schwerpunktthemen sind Bildung, Gesundheit und Sport.“

Kooperation ist „politisch ein ganz wichtiger Schritt“

Netzwerksprecher Reinhardt te Uhle bekräftigte: „Das Netzwerk wurde 1999, vor 17 Jahren, gegründet. Darin vertreten sind heute immerhin 18 Partner aus acht Nationen. Durch die Zusammenarbeit, speziell mit der ESAB Land Brandenburg und WOSiR Drzonków, ist politisch ein ganz wichtiger Schritt getätigt worden. Die Vielzahl der Projekte ist ein Grundstein, dass der Sport in diesem Raum eine immer größere Bedeutung gewinnt. Es gibt viele gemeinsame Maßnahmen wie Sport mit Senioren, Breiten- und Erholungssport, und wir freuen uns, dass auch das Gesundheitsprojekt ,Gesunde Kinder in gesunden Kommunen’ hier umgesetzt werden soll.“ Als sichtbares Zeichen der Freundschaft überreichte te Uhle WOSiR-Direktor Bogusław Sułkowski eine Urkunde zum 40-jährigen Bestehen des Sportzentrums, das bereits im Frühjahr gefeiert worden war. Te Uhle: „Wir wollen die Partnerschaften mit Leben erfüllen, und jeder Partner hat bisher einen Mehrwert aus der Zusammenarbeit mit dem Netzwerk gefunden.“

Meeting im Sportzentrum WOSiR Drzonków: Netzwerker und sportpolitische Gäste. Fotos: Horst Andresen

Meeting im Sportzentrum WOSiR Drzonków: Netzwerker und sportpolitische Gäste. Fotos: Horst Andresen

40 Jahre WOSiR Drzonków

Bogusław Sułkowski stellte die Region Lubuskie Wojewodschaft mit einer Million Einwohnern, über 500 Seen, Nationalpark vor sowie das Woodstock-Festival an der Oder, das jeweils eine halbe Million Fans anzieht.

Zum Sportzentrum – für 15 Millionen Euro komplett modernisiert – gehören 40 Hektar Fläche, von denen 15 Hektar bebaut sind. Sieben Jahre lang wurde modernisiert und neu gebaut. Drzonkow liege direkt im Zentrum Europas mit sehr gutem Zugang über Autobahnen und Flughäfen. Bogusław Sułkowski: „Wir sind vergleichbar mit Olympiastützpunkten in Deutschland. Wir haben 14 unterschiedliche Sportarten bei uns beheimatet, ein Schwimmbecken mit zehn Bahnen à 50 Meter, Tennishalle mit vier überdachten Plätzen, Tischtennis, Volleyball, Kampfsportarten und eine Schießsporthalle mit 26 Schießständen. Der Parcours für Modernen Fünfkampf zählt zu den modernsten in Europa. Sie entstand in Kooperation mit Brandenburg und dem Lebuser Land.“

Im Behindertensport gab es jüngst zwei olympische Bronzemedaillen bei den Paralympics in Brasilien im Tischtennis. Zum WOSiR gehören Sauna, Salzgrotte, Sauna, Konferenzsäle. Ein Hotel verfügt über 206 Übernachtungsplätze. Das Olympiahotel mit 50 Plätzen ist komplett ausgerichtet für Menschen mit Handicap und für Sehbehinderte geeignet. Die Region habe sich der Bevölkerung geöffnet und versucht, die Menschen für Sport zu begeistern und durch viele Angebote ins Sportzentrum hineinzuholen.

Konkrete Ergebnisse deutsch-polnischer Zusammenarbeit

Netzwerktreffen in Drzonkow im Jahr des 40-jährigen Bestehens: Bogusław Sułkowski (Mitte) mit Gästen aus Sport und Politik.

Netzwerktreffen in Drzonkow im Jahr des 40-jährigen Bestehens: Bogusław Sułkowski (Mitte mit Urkunde) mit Gästen aus Sport und Politik, von links Arkadiusz Zagrodnik, Jacek Pilawa, Paweł Rańda und Sławomir Kulczyński.

Bogusław Sułkowski: „Die Bildungsarbeit in Kooperation mit dem Bildungswerk Sachsen des Landessportbundes ist ein gutes Beispiel für konkrete Ergebnisse der deutsch-polnischen Zusammenarbeit.“

Arkadiusz Zagrodnik, Geschäftsführer der Sportföderation Niederschlesien, freute sich über das internationale Netzwerktreffen in Drzonków: „Wir sind fünftgrößte Wojwodschaft. Als Sportföderation realisieren wir den Sport für Kinder und Jugendliche als Selbstverwaltung. Wir tauschen uns auch mit Sportorganisationen aus Sachsen aus. Die Strukturen unterscheiden sich jedoch wesentlich, in bestimmten Themen ist es schwierig, doch wir wollen uns weiter austauschen, jetzt auch aktuell mit dem Bildungswerk Sachsen. Unsere Zusammenarbeit beruht auch auf den Zuwendungen des Marschallamtes, der Regierung des Landes. Wir haben eine gute Unterstützung bezüglich der internationalen Zusammenarbeit.“

Pawel Randa, Direktor des Departments für Gesundheit und öffentlichkeitwirksame Maßnahmen der Landesregierung Niederschlesien mit Sitz in Wrocław (Breslau), Wojewodschaft Dolnośląskie: „Wir haben 120 000 Studenten in Breslau, der Hauptstadt der Wojewodschaft mit 630.000 Einwohnern. Duale Karriere wie in Brandenburg: Das wäre sofort auch für uns ein Thema. Gesamtpolnische Programme haben ihre Basis bei uns gefunden, zum Beispiel eines für kleine Kinder. Für die Leichtathleten wurden 42 Plätze gebaut. Jetzt bauen wir in einem Modellprojekt kleine Schwimmhallen für Kitas und Schüler. Die Kosten für die Schwimmhalle betragen 1,3 Millionen Euro, Unterhaltungskosten 100.000 Euro pro Jahr. Es gibt bei uns viele Möglichkeiten, und wir sind offen für Neues und möchten weiter lernen. Im Juli 2017 sind wir Ausrichter der Worldgames, den Spielen für nichtolympische Sportarten.“

Über den Sport Freundschaften geknüpft

Jacek Pilawa, Abgeordneter im Sejmik (Landtag) von Niederschlesien in der Wojewodschaft Dolnośląskie, machte als früherer Europapolitiker deutlich, wie wichtig eine Öffnung der Grenzen und die grenzüberschreitende Arbeit sei: „Nur so kommen wir in Europa weiter. Dieses Netzwerk ist Beleg dafür, wie über den Sport Freundschaften geknüpft werden können. Schön, dass die Netzwerkteilnehmer Drzonków als Tagungsort ausgesucht haben.“

Zbigniew Zaborowski von der Wojewodschaft Lubuskie sagte: „Wir sehen hier, wie der Sport in Europa wächst. Das freut uns sehr. Ich bin auch für die Interreg-Förderung zuständig, und deshalb brauchen wir für grenzüberschreitende Projekte die Deutschen und hoffen, dass sie bei vielen Projekten mitmachen werden.“

Platz für 5000 Fans: Netzwerkmitglieder beim Training des polnischen Handballnationalteams der Frauen.

Platz für 5000 Fans: Netzwerkmitglieder beim Training des polnischen Handballnationalteams der Frauen.

Wir stark der Sport in Polen in Zielona Gora vertreten ist, wurde im Sportzentrum der 130.000-Einwohnerstadt deutlich: Dort verfolgten die Netzwerk-Teilnehmer während eines Besuchs am Abend das Training der polnischen Handball-Nationalmannschaft der Frauen. Die Sporthalle hat 5000 Zuschauerplätze. Zudem wurden Fitness- und Sqashcenter besucht sowie ein Einblick gewonnen von den vielen Möglichkeiten des Zentrums. Das riesige Erlebnisbad besuchen täglich bis zu 1500 Wasserratten bei günstigen Eintrittspreisen. In Zielona Gora sind Basketballer, Volleyballer und Fußballer in ersten und zweiten Ligen vertreten.

Inhaltlich diskutierten die Netzwerker aus halb Europa bei ihrer Tagung, dass Service und Leistungen künftig weiter ausgebaut werden sollen, zum Beispiel auch durch gegenseitige Informations- und Schulungsbesuche von Praktikanten. Die nächste Frühjahrstagung in Potsdam bei der ESAB in Brandenburg soll in ein Netzwerkforum eingebettet werden.

EU-Präsident Martin Schulz: Einsatz für ein „sportliches“ Europa

Vorgestellt wurde zudem eine Netzwerk-Imagebroschüre, in der alle Partner umfassend vorgestellt werden – in Englisch, Deutsch, Niederländisch, Polnisch, Schwedisch und Tschechisch. Das Grußwort hat EU-Präsident Martin Schulz geschrieben: „Ich begrüße ausdrücklich das Engagement des Europäischen Netzwerk der Akademien des Sports, das es sich bereits seit 1999 zur Aufgabe gemacht hat, den Sport als kulturelles Bindeglied zwischen den Nationen aktiv mitzugestalten und somit einen Beitrag für ein soziales und zukunftsfähiges Europa zu leisten. Ich bedanke mich herzlich für Ihren Einsatz für ein ,sportliches’ Europa!“