Eins wurde schnell deutlich: Bewegung ist die beste Medizin auch für Menschen in der vierten Lebenshälfte. Sie wirkt körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen im Alter entgegen, stärkt soziale Kontakte und wirkt darüber hinaus auch noch stimmungsaufhellend. Kurzum, die Lebensqualität verbessert sich allumfassend. Darüber waren sich die Teilnehmer einig, die zum Thema „Bewegungsförderung im hohen Lebensalter – Impulse für die Praxis“ am 28. November in Potsdam auf Einladung des Vereins Selbstbewusst altern in Europa e. V. und der Fachhochschule für Sport und Management Potsdam der Europäischen Sportakademie des Landes Brandenburg (ESAB), diskutierten. Die Veranstaltung konnte mit Unterstützung des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) des Landes Brandenburg realisiert werden.


Grußwort von Nadine Haase, MBJS

Für die Fachhochschule für Sport und Management Potsdam sind die Forschungs- und Projektarbeiten zu Bewegungsförderung in unterschiedlichen Lebensphasen mittlerweile ein Forschungsschwerpunkt. Das unterstrich ESAB Geschäftsführer Manfred Wothe: „Es ist das vierte Symposium unserer Fachhochschule zu Bewegungsthemen in Folge und sie sehen die große Resonanz. Mit der Bewegungsförderung im hohen Lebensalter stellen wir uns einem Thema, das vor allem mit Blick auf den demografischen Wandel immer mehr an Bedeutung gewinnen wird“. Wie wichtig dieses Thema auch unter dem Blickwinkel Gesundheit ist, unterstrich Frau Weigelt-Boock, Schirmherrin der Initiative Bündnis gesund alt werden am Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie (MASGF) in ihrem Grußwort.


Ines Weigelt-Boock (MASGF) begrüßt das Fachpublikum

Dass das Thema älter werden und dabei vital bleiben in Zukunft eine große gesellschaftliche Relevanz einnehmen wird, zeigt der Blick in die Statistik: Im Jahr 2060 wird jeder siebte Mensch über 80 sein, 2008 war es jeder Zwanzigste. Der Beweglichkeit kommt gerade bei hochaltrigen Menschen eine besondere Bedeutung zu, da sie die selbstständige Bewältigung im Alltag, z. B. Anziehen, Körperpflege, Putzen oder Haushaltsführung, ermöglicht.

In den Fachvorträgen von Prof. Dr. Thomas Dorner (Med. Uni. Wien) und Dr. Christian Lackinger (Sportunion) aus Österreich sowie Dr. Paul Gellert (Charité Berlin) lag der Fokus auf zukunftsorientierten Möglichkeiten, um Bewegungsaktivitäten bis ins hohe Lebensalter zu stärken. Aktuelle Studien bestätigen, dass Bewegungsförderung im Alltag in jedem Lebensalter positive gesundheitliche Effekte hat, sogar dann, wenn körperliche Einschränkungen vorliegen, konstatiert Professor Dorner. Dorner und Lackinger heben dabei vor, dass es für Bewegung nie zu spät ist, aber niedrigschwellig und möglichst wohnungsnah müssen die Angebote sein. Mit ihrem Pilotvorhaben zur Förderung der Bewegung von Hochaltrigen im häuslichen Umfeld, den sogenannten Gesundheitsbuddys, machen die Wiener Experten Mut. Ihr Einsatz hat zur Stärkung der körperlichen und geistigen Gesundheit und der sozialen Teilhabe geführt.


Die Wiener Gesundheitsbuddys präsentieren Best Practice Beispiel

Ein lohnendes Ziel, denn in der vierten Lebenshälfte steckt viel Potential. Gellert bestätigt dies: „Hundertjährige sind in ihren letzten Lebensjahren gesünder als gedacht.“ Seiner Studie zufolge haben Menschen, die im Alter von einhundert Jahren und älter verstarben, weniger Erkrankungen als denjenigen, die zwischen 80 und 99 Jahren starben. Schätzungen gehen davon aus, dass jedes zweite Kind, das in diesem Jahrhundert in einem entwickelten Land lebt, ein Alter von 100 Jahren oder mehr erreicht. Deswegen ist zu erwarten, dass die Zahl der Hochaltrigen in Deutschland weiter steigen wird. Keine Altersgruppe in Deutschland wächst so stark, wie die der Menschen über 80. Daraus ergibt sich auch ein neues bzw. erweitertes Feld für Sport und Bewegung, auch für den Vereinssport.

Wie gut sich vital bleiben im hohen Alter durch regelmäßiges Training realisieren lässt, bewies im Anschluss die Seniorensportgruppe des TSV Falkensee in einem eindrucksvollen Intermezzo.

Das Ziel, die wissenschaftliche Forschung in diesem Themenkontext zielgerichtet mit praktischer Fachkompetenz zu bündeln und einen entscheidenden Impuls für die Zukunft zu geben, ist mit den abschließenden Workshops gelungen. „Die Ergebnisse des Symposiums sind wichtige Impulse zur Umsetzung von bewegungsfördernden Angeboten für Hochaltrige in Kommunen, in Sportvereinen, in Altenpflegeeinrichtungen und für Zuhause“, resümierte die Organisatorin und Moderatorin des Symposiums Prof. Dr. Silke Becker bei der abschließenden Präsentation der Workshop-Ergebnisse vor dem Auditorium.


Prof. Dr. Becker initiierte das diesjährige Symposium

Information:
Interessenten für eine ehrenamtliche Tätigkeit als Gesundheitsbuddy oder auch Interessierte an der Inanspruchnahme des Angebotes in Potsdam können sich gern per E-Mail an info@gesundheitsbuddy-in-potsdam.de wenden.