„Ehrenamt und Integration – zwei absolute Herzensangelegenheiten“, so stellte es der Leiter des internationalen Arbeitskreises Helmut Loenenbach passend heraus. Das Verbinden beider ist ein großer und wichtiger Schritt in die richtige Richtung, zu dem vor allem der Sport eine Menge beitragen kann. Bei dem deutsch-französisch-ungarischen Forum zum Thema „Integration von geflüchteten Frauen und Männern durch ein Ehrenamt im Sport“ in der Europäischen Akademie des rheinland-pfälzischen Sports in Trier, zu dem die Abteilung „Internationales“ und das Bundesprogramm „Integration durch Sport“ des LSB mit Unterstützung des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) eingeladen hatten, wurde ein ganzes Wochenende über dieses Thema diskutiert und an Lösungsvorschlägen gearbeitet. „Sowohl Vereine als auch bereits integrierte Geflüchtete die ein Ehrenamt ausüben, können einen wichtigen Beitrag für eine gelingende Integration beitragen“, so Loenenbach.

Neben Teilnehmern aus Deutschland, nahmen ebenso Sportler und Offizielle aus Frankreich, Ungarn sowie in Deutschland lebende, geflüchtete Syrer an dem Workshop teil. Gerade letztere bewiesen, wie viel ein Ehrenamt zur Integration beitragen kann. Denn auch wenn unterschiedliche Kulturen aufeinanderprallen, ist dies kein Grund dafür, dass keine Freundschaften entstehen können. Ein hervorragendes Beispiel hierfür lieferte der  Samstagabend, als die ungarischen Tänzerinnen, die zuvor teilweise noch keinen Kontakt zu geflüchteten Menschen hatten, mit den Syrern eine gemeinsame Tanzeinlage, sowohl europäischer als auch traditioneller Tänze aus Syrien, zum Besten gaben.


„Mainzer Erklärung“
Dass die Integration von Migranten ins sportliche Ehrenamt dennoch weiterhin Aufholarbeit bedarf, stellte Lisa Warzelhan mit den Ergebnissen einer im Vorfeld durchgeführten Online-Umfrage dar, an der sich insgesamt 182 Vereine aus Rheinland-Pfalz beteiligten. Alois Stroh präsentierte bereits einen Lösungsansatz des Fußballverbandes Rheinland, der in den vergangenen beiden Jahren zahlreiche Lehrgänge für Geflüchtete zum Erwerb einer Trainerlizenz angeboten hat, um somit den Anteil dieser im Ehrenamt zu erhöhen. „Das Erlangen einer Lizenz ermöglicht Geflüchteten die Grundlage zum Ausüben einer Trainertätigkeit und somit einer ehrenamtlichen Aufgabe.“ Dass an diesem Angebot Bedarf besteht, zeigen die zahlreichen Lehrgangsteilnehmer, die dieses Angebot wahrnahmen.

In Kleingruppen erarbeiteten die Teilnehmer gemeinsam mit Referenten wie dem EU-Abgeordneten Norbert Neuser, wie Vereine, Verbände und EU das Vorhaben, Menschen mit Fluchterfahrungen oder Migrationshintergrund in ein Ehrenamt zu begleiten, unterstützen können. Neuser betonte vor allem, wie wichtig es ist, dass die europäischen Staaten nicht getrennt, sondern gemeinsam an dieser Problematik arbeiten. „Wir dürfen froh sein, dass wir in Europa Frieden haben und uns freundschaftlich unterstützen“, so der rheinland-pfälzische EU-Abgeordnete. Auch das Einbringen von geflüchteten Frauen im Sport und vor allem im Ehrenamt stand aufgrund des bisherigen Mangels als Gesprächsthema im Mittelpunkt. „Reine Frauengruppen auch in Individualsportarten“ und „Trainerinnen mit Migrationshintergrund“ waren nur einige der Lösungsideen.

Die in den Arbeitsgruppen gesammelten Vorschläge wie die gezielte Bildung von sportspezifischen Flüchtlingsinitiativen, Eventangebote rund um den Sport, spezielle Referate zum Thema Ehrenamt oder die Idee eines europäischen Flüchtlingsrates wurden von den Referenten detailliert vorgestellt. „Integration ist ein Geben und Nehmen. Vereine sollten ankommende Menschen so akzeptieren, wie sie sind und Möglichkeiten schaffen, die zur Integration beitragen, auf der anderen Seite sollten aber auch die Geflüchteten sich bemühen etwas positives für die Gesellschaft beizutragen“, äußerte sich Referent Baris Kayar (Leiter des Projektes „Raufen nach Regeln“ am Jugendzentrum Lionhof). „Wir freuen uns, dass unsere Kandidatur im Rahmen der Projektausschreibung ´Diversität und Partizipation´ 2018 von der Jury des DFJW ausgewählt wurde. Ohne diese Unterstützung hätte das Jugendprojekt gar nicht stattfinden können.“

Doch nicht nur das Arbeiten an Lösungsvorschlägen stand in Trier im Mittelpunkt, sondern auch der internationale Austausch der vier Nationen und die gemeinsamen Unternehmungen, zu denen eine kleine Besichtigung der ältesten Stadt Deutschlands gehörte.